Zwei Titelwechsel! Die Ergebnisse von GWF Legacy – 26 Jahre Berlin Wrestling

Wie soll man die größte Show des Jahres nur einen Monat später noch einmal toppen? GWF Legacy 26 lieferte die Antwort mit gleich zwei Titelwechseln, einigen Überraschungen, einem unglaublichen Hardcore Match und dem ersten Ladder Match in der Geschichte der German Wrestling Federation.

Los ging es direkt mit dem Fatal 4-Way Match um die Tag Team Titles. Nachdem die Helden der Hauptstadt, die Blutsbrüder, Team Crazy Sexy und die Stübing Brüder bei Legacy 25 im vergangenen November gegenseitig in ihre Kämpfe eingegriffen hatten, hatte Geschäftsführer Ahmed Chaer das Chaos in den Griff gekriegt, indem er alle vier Teams gleichzeitig gegeneinander antreten ließ. Außerdem waren Lucha Rules angesetzt, was für noch mehr Action im Ring sorgte, denn sobald ein legaler Wrestler den Boden außerhalb des Rings betrat, durfte sein Teamkollege für ihn in den Ring steigen. Dadurch zeigten die Wrestler auch immer wieder beeindruckende Team-Kombination wie zum Beispiel ein doppelter Styles-Clash von Erkan Sulcani und Orlando Silver.

Noch verrückter wurde es allerdings, als Joshua Amaru und Tom Stübing gleichzeitig eine Single Leg Boston Crab bei Erkan ansetzten und dann auch noch Mike dazu kam, der Erkan in den Chinlock nahm. Orlando Silver stellte sich hinter Mike und setzte seinerseits einen Chinlock an. Ronaldo Shaqiri nahm derweil Amaru und Silver in Headlocks, während Tim Stübing auf das riesige Konstrukt aus Körpern kletterte und Shaqiri mit einem Arm und Silver mit seinen Beinen in Headlocks nahm. Erst Pascal Spalter löste diesen gordischen Wrestling-Knoten, indem er Tim Stübing herunterstieß, der den Schwung nutzte, um Shaqiri einen Tornado DDT zu verpassen.

Die Entscheidung fiel, nachdem fast alle Wrestler nach draußen geworfen worden waren und die Stübing-Brüder ihnen simultane Crossbodies von den Ringecken verpasst hatten. Spalter ließ eine für ihn ungewohnte Highflying-Aktion folgen und warf sich mit einem Vorwärtssalto über das obere Ringseil in die Meute. Als er wieder den Ring betrat, war allerdings Shaqiri zur Stelle, der ihm einen Spear verpasste und pinnte. Dem Mitglied von Team Crazy Sexy kamen vor Freude und Erleichterung die Tränen, denn es war sein erster GWF Titel nach elf Jahren harter Arbeit.

Battle of the Luchadors

Anarko Montaña hatte bei seinem GWF-Debüt vor einem Monat mit hochriskanten Moves begeistert, nun wartete mit Veteran Rambo die nächste Herausforderung auf ihn. Montaña machte direkt dort weiter, wo er bei Legacy 25 aufgehört hatte und zeigte einen Moonsault von den Turnbuckles auf den draußen stehenden Rambo. Dann allerdings wollte der Chilene zu viel, denn seine nächste Aktion wurde von Rambo abgefangen, der ihn mit einer Apron Bomb bestrafte. Im Laufe des Matches zeigte sich immer wieder, dass Rambo mit seinem Bulldozer-Körper im Vorteil war. Teilweise ließ er Schläge und Tritte einfach an sich abperlen.

Montaña hingegen setzte auf Geschwindigkeit und verpasste seinem Kontrahenten eine Spanish Fly vom dritten Seil. Ihm unterlief jedoch ein entscheidender Fehler, denn seine folgende Shooting Star Press ging daneben und Rambo beendete das Match mit einer Pop Up Powerbomb sowie einem Package Piledriver.

GWF Women’s Title Elimininator Series

Eigentlich hatten wir im Halbfinale der Eliminator Series um den GWF Women’s Title nur drei Frauen erwartet. Doch bevor die Ringglocke geschlagen werden konnte, ertönte plötzlich die Musik von Kara, die daran erinnerte aufgrund ihres Kampfes gegen Feyyaz Aguila keine Chance gehabt zu haben, bei der Eliminator Series teilzunehmen. “Findet ihr nicht, ich habe einen Title Shot verdient?”, fragte sie die Fans und Ringsprecher Olaf Heyden gab die Frage an Jessy Jay, Xara Grace und Stephanie Maze weiter, die nach kurzem Nachdenken ihre Zustimmung gaben. Das Match wurde kurzerhand auf zwei Falls angesetzt. Wer eine Gegnerin pinnte oder zur Aufgabe zwang, würde ins Finale bei GWF Strike First, Strike Hard Too (Tickets gibt es hier) einziehen.

Maze, die als Favoritin in die Series gegangen war, war ganz offensichtlich am linken Knie verletzt und hatte es bandagiert um antreten zu können. Das allerdings war natürlich auch eine Zielscheibe für ihre Gegnerinnen und Jessy Jay zögerte keine Sekunde, ehe sie zur Attacke überging. Nachdem Maze außer Gefecht gesetzt war, versuchte sich einen Crossbody gegen Kara, die allerdings mit einem Big Boot konterte. Grace sah ihre Chance gekommen und rollte Kara zu einem Small Package ein. Die drehte sich jedoch weiter und schaffte es stattdessen Grace zu pinnen und sich als Erste einen Platz im Finale zu sichern.

Maze meldete sich mit einem kurzen Adrenalinschub im Match zurück und setzte zu ihren bekannt tödlichen Kicks an. Nach kurzer Zeit gab allerdings ihr Knie nach, was Jessy Jay nutzte, um ihr einen Snapmare Driver zu verpassen. Grace unterbrach das folgende Cover gerade noch, wurde dann aber durch einen Samoan Drop von Jay ausgeschaltet. Die zielte nun wieder auf Maze, nahm ihr verletztes Knie in eine Single Leg Boston Crab und zwang sie so zur Aufgabe.

GWF Berlin Championship

Der Champion, Toni Harting, setzte auch dieser Mal zu einer Rede an und bezeichnete seinen Herausforderer, Mike D. Vecchio, dabei unter anderem als “Belgisches Michelin-Männchen”. Das wiederum ließ dessen neuer Manager nicht auf sich sitzen: “Eigentlich war es mir egal, gegen wen wir den Titel gewinne, aber Toni, du bist so unsympathisch, dass ich genießen werde, wenn Mike D. dir in den Arsch tritt”, fauchte Ali Aslan in Richtung Harting. Der entgegnete: “Muss Mike seinen Babysitter schicken, während ihm die Windeln gewechselt werden? Ich bin die neue Generation.” Das jedoch beeindruckte Aslan wenig: “Vor 25 Jahren habe ich hier angefangen und der alten Generation in den Arsch getreten, jetzt kommt der Mann, der der neuen Generation in den Arsch treten wird.”

Es begann ein zunächst überraschend technisches Match, bei dem D. Vecchio deutliche Vorteile in Sachen Kraft hatte. Als er allerdings draußen mit einem Chop den Ringpfosten statt Harting traf, witterte der Tiger Blut und stürzte sich mit neuem Eifer auf den Gegner. Der Kampf war geprägt von knallharten Moves, die beide Teilnehmer an ihre Grenzen brachten. Mike D. zeigte einen Springboard Cutter, einen Avalanche Fall Away Slam und eine Powerbomb. Harting einen Suicide Dive, einen Stunner und einen Neckbreaker, doch keiner der beiden wollte aufgeben. Mit purer Willenskraft rissen sie immer wieder gerade noch rechtzeitig ihre Schultern hoch.

Vielleicht erklärt das auch die verzweifelten Mittel, zu denen Harting kurz vor dem Ende griff. Anscheinend sah er keinen Weg, D. Vecchio mit fairen Mitteln zu schlagen, weshalb er ihn in den Ringrichter schubste und einen Tiefschlag verpasste. Als auch das nicht zum Sieg reichte, schlug Harting sich selbst mit einer Dose gegen den Kopf und versuchte erfolglos Aslan dafür verantwortlich zu machen. Ein Schlag mit dem Gürtel führte ebenfalls nur zu einem Two Count und es wurde klar, dass D. Vecchio heute gar nichts stoppen würde. Im Gegenteil, er verpasste Harting eine Spinning Ligerbomb und pinnte den nun ehemaligen Titelträger zum Sieg. Die Belgian War Machine ist neuer GWF Berlin Champion.

Gauntlet Match – No. 1 Contender GWF Berlin Championship

Doch wer wird der erste Herausforderer von D. Vecchio? Das sollte das nun folgende Gauntlet Match mit sieben Teilnehmern zeigen. Evil Jared und Arash begannen den ersten Kampf, der relativ schnell entschieden war. Evil Jared dominierte über weite Teile und besiegte Arash mit einem Chokeslam. Gegen Kevin Lazar sah das jedoch weniger gut aus. Jared wurde von einem Unfall mit dem Ringrichter abgelenkt, was Lazar zu seinem Vorteil nutzte. Er legte einen Metalleimer auf Jareds Knie und sprang von der Ringecke aus darauf. So angeschlagen blieb Jared nichts anderes übrig, als aufzugeben, nachdem Lazar ihn in ein Texas Cloverleaf genommen hatte.

Als nächster Teilnehmer kam Aytac Bahar in den Ring. Er lieferte sich einen offenen Schlagabtausch mit Lazar und musste unter anderem einen Falcon Arrow einstecken. Er holte sich allerdings den Sieg durch einen modifizierten Neckbreaker. Bennet Brown kam nun in den Ring und ging mit einer German Suplex direkt in der Offensive. Er täuschte einen Suicide Dive nach draußen an, stoppte dann aber und provozierte das enttäuschte Publikum. Ein solches Verhalten gehört bestraft, was Bahar auch gelang. Brown versuchte einen Sunset Flip, doch Bahar setzte sich geistesgegenwärtig einfach auf dessen Schultern und gewann.

Trotzdem war Bahar reichlich weichgeklopft, als Fast Time Moodo die Treppen herunter schritt. Moodo war deshalb beinahe ausschließlich in der Offensive und malträtierte Bahar mit seinen Tritten. Einen Pedigree konnte Bahar noch überstehen und sogar kurzzeitig zum Angriff übergehen. Ein Tornado DDT und ein Impaler reichten jedoch nicht, um Moodo zu besiegen. Stattdessen beendete dieser das Match mit einem Spinning Heel Kick. Das war auch der Move mit dem er seinen letzten Gegner, Cem Kaplan, ausschaltete. Bei GWF Strike First, Strike Hard Too (Tickets gibt es hier) trifft er nun also auf Mike D. Vecchio. Beide hatten sich bereits bei Chaos City 6 in einem Fatal 4-Way Match gegenüber gestanden, kennen sich also bestens.

Hardcore Match

Im vorletzten Kampf trafen zwei Männer aufeinander, die sich überhaupt nicht ausstehen können. Tarkan Aslan hatte bei Chaos City 6 für die Blutsbrüder ins Main Event eingegriffen und Crowchester mit einem Stuhl ins Gesicht geschlagen. Dieser verlor dabei einen halben Zahn und war dementsprechend heiß, sich an Aslan zu rächen.

Aslan wiederum macht Crowchester für den Lichtausfall bei Legacy 25 verantwortlich, der ihn ablenkte und seiner Ansicht nach den GWF Berlin Title kostete. Crowchester brachte passenderweise gleich einen Stuhl mit, machte jedoch den Fehler Aslan den Rücken zuzukehren. Er hatte mit zwei Kendo Sticks gewartet, die er sofort einsetzte, als sein Gegner unachtsam war. Der Kampf verlagerte sich in die Zuschauerreihen, wo Crowchester in eine Sitzbank geworfen wurde. Er konterte Aslans zweiten Versuch jedoch mit einem Moonsault von einer kleinen Mauer. Wild aufeinander einschlagend ging es die Tribüne hinauf, ehe Crowchester auf einen Balkon kletterte und mit einem Crossbody auf den mehrere Meter tiefer stehenden Aslan hinunter krachte. Die Zuschauer waren nun komplett in Ekstase versetzt.

Es war aber noch lange nicht genug, Crowchester legte eine Tischplatte in die Ringecke, Aslan konnte aber vermeiden durch das Holz zu krachen und überstand auch eine Ligerbomb. Stattdessen war er es, der seinen Gegner wenig später mit einem Death Valley Driver durch die Tischplatte schleuderte. Das reichte jedoch nicht zum Sieg. Crowchester gewann wieder die Oberhand und holte einen Stuhl. Aslan kniete leicht benommen auf der Matte und bettelte um Gnade. Würde Crowchester sich für den Stuhlschlag bei Chaos City 6 revanchieren? Bevor er sich entscheiden konnte, ging Aslan zum Angriff über. Crowchester konnte jedoch ausweichen und schlug ihm mit dem Stuhl gegen den Kopf. Crowchester legte Aslan den Stuhl auf den Bauch, ließ einen Moonsault folgen und rächte sich mit seinem Sieg für den Angriff bei Chaos City 6.

GWF World Title Ladder Match

Würde der Mann mit dem Plan auch dieses Mal wieder ein Ass im Ärmel haben? Nachdem er seinen World Title bei Legacy 25 an Axel Tischer verloren hatte, bekam John Klinger nur einen Monat später die Chance, den Gürtel im ersten Ladder Match der GWF-Geschichte zurückzugewinnen. Und natürlich hatte Klinger vorher noch eine vermeintliche Lebensversicherung abgeschlossen. Zuvor jedoch hatten die Fans den erwartet brutalen Kampf gesehen. Die Leiter wurde mehrfach als Waffe eingesetzt, was vor allem Tischer zu spüren bekam, dessen Bein von Klinger in der Leiter eingeklemmt und mehrfach mit einem Stuhl geschlagen wurde.

Als Klinger jedoch eine kleinere Leiter in den Ring holte, wurde ihm diese von Tischer entrissen, der nun damit auf ihn eindrosch und ihn später mit dem Rücken voran auf zwei ineinander verhakte und hochkant aufgestellte Stühle warf. Klinger musste jetzt alles riskieren, um Tischer doch noch irgendwie ausschalten zu können. Deshalb kletterte er die Leiter nach oben und warf sich mit einem Flying Elbow Drop in Richtung Tischer, der jedoch im letzten Moment zur Seite rollte. Klinger war eigentlich geschlagen und lag irgendwo zwischen Ohnmacht und Benommenheit schwebend in der Ringecke. Tischer schleppte sich mit seinem lädierten Bein die Leiter hoch, doch die Blutsbrüder Erkan Sulcani und Orlando Silver rannten in den Ring und stoppten ihn im letzten Moment. Klingers Lebensversicherung hatte gegriffen.

Konnte Tischer die Überzahl zu Beginn noch kurzzeitig abwehren, wurde er dann von einem Slingshot Spear von Klinger getroffen. Die zahlenmäßige Überlegenheit war auch für den Axeman zu viel. Die Blutsbrüder prügelten ihn nach draußen und setzten ihn dann auf die Schultern von Klinger, der zuvor eine Leiter zwischen Tribüne und Ringkante gelegt hatte und Tischer mit einer Powerbomb durch das harte Metall krachen ließ. Klinger glaubte bereits, sich seinen Titel zurückerobert zu haben. Feixend kletterte er eine neu geholte Leiter empor, ehe plötzlich Tischer in den Ring sprang und die Leiter umkippte. Klinger krachte aus mehreren Metern Höhe in seine Blutsbrüder und Tischer konnte sich seinerseits dem Gürtel entgegen schleppen und ihn aus dem Haken lösen. Tischer bleibt der World Champion der GWF!

Welcher Gegner als nächstes auf Axel Tischer wartet, ob Mike D. Vecchio seinen GWF Berlin Title verteidigen kann und wer sich als neue GWF Women’s Champion krönt, erfahren wir am 9. Januar 2022 bei GWF Strike First, Strike Hard Too. Tickets gibt es unter https://gwf.tickettoaster.de

Bericht von Helge Wohltmann